Spirituelle Kommunikation
Im Rahmen einer Gesprächsreihe „Innerer Frieden – äusserer Wandel“ war das Thema, das aktueller kaum sein könnte: spirituelle Kommunikation – vom Ego zur Seele.
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Spiritualität
Am Anfang stand die Frage: Was verstehen wir überhaupt unter Spiritualität?
Spiritualität ist für uns weit mehr als religiöse Rituale oder theoretisches Wissen. Sie beschreibt die bewusste Hinwendung zu unserer eigentlichen, geistigen Identität – zu jenem Teil des Menschen, der nach Wahrheit, Liebe, Gerechtigkeit, Schönheit, Einheit und Dienst am Mitmenschen strebt.
Auf dieser Grundlage haben wir uns gefragt, was Kommunikation auf einer spirituellen Ebene bedeutet.
Unser Ego
Aus psychologischer Sicht wurde deutlich, dass ein Großteil unserer zwischenmenschlichen Konflikte entsteht, weil nicht unsere Seele, sondern unser Ego miteinander kommuniziert.
Das Ego sucht Anerkennung, Bestätigung, Recht zu haben, verstanden, geliebt und bewundert zu werden. Werden diese Bedürfnisse nicht erfüllt, reagiert es häufig mit Kränkung, Ärger, Rückzug, Aggression oder sogar Depression.
Spirituelle Identität
Die spirituelle Identität des Menschen verfolgt hingegen ein anderes Ziel. Sie fragt nicht: „Was bekomme ich?”, sondern: „Was kann ich beitragen?” Sie möchte verstehen, bevor sie verstanden werden will. Sie sucht nicht den Sieg über den anderen, sondern die gemeinsame Wahrheit. Sie misst ihren Wert nicht daran, wie viel Anerkennung sie erhält, sondern daran, wie sehr sie Liebe, Mitgefühl, Wahrhaftigkeit, Geduld, Demut und Gerechtigkeit zum Ausdruck bringt.
Wir haben darüber gesprochen, dass wahre Kommunikation dort beginnt, wo das Ego leiser wird. Deshalb haben wir auch über die Bedeutung von Stille, innerer Ruhe und der Wahrnehmung des Schönen gesprochen. Erst wenn der innere Lärm nachlässt, kann die Stimme des Gewissens und der Seele hörbar werden. Die Stille ist deshalb nicht die Abwesenheit von Kommunikation, sondern oft ihre tiefste Form.
Dabei wurde deutlich, dass wir einen Menschen letztlich nur dann wirklich spirituell verstehen können, wenn wir lernen, seine geistigen Eigenschaften wahrzunehmen und nicht nur sein äußeres Verhalten.
Hinter Ärger verbirgt sich oft Verletzlichkeit, hinter Angst das Bedürfnis nach Sicherheit und hinter vielen Konflikten ein Mensch, der sich nach Liebe und Sinn sehnt.
Spirituelle Reife
Aus psychologischer Sicht bedeutet spirituelle Reife deshalb nicht, keine Emotionen mehr zu haben. Vielmehr lernen wir, unsere Gefühle bewusst wahrzunehmen, ohne uns von ihnen beherrschen zu lassen. Emotionen werden dann nicht mehr zu unseren Herren, sondern zu wichtigen Wegweisern auf unserem inneren Entwicklungsweg.
Im weiteren Verlauf unseres Austausches haben wir auch Themen wie Gebet, Meditation, Intuition und die mögliche Bedeutung von Träumen angesprochen. Sie alle können – richtig verstanden – wertvolle Hilfen sein, um die Verbindung zu unserer geistigen Wirklichkeit zu vertiefen.
Gleichzeitig haben wir betont, dass jede innere Erfahrung immer an Vernunft, Realitätssinn und den Früchten im täglichen Leben gemessen werden sollte.
In den Bahá’í-Schriften finden wir dazu folgende Aussage:
«Der Mensch ist seiner Wirklichkeit nach ein geistiges Wesen, und nur wenn er im Geiste lebt, ist er tatsächlich glücklich. Dieses geistige Verlangen und Empfinden besitzen alle Menschen gleicherweise…»
`Abdu’l-Bahá, in: Ansprachen in Paris 23.7
Friede zwischen Menschen
Unser Gespräch hat einmal mehr gezeigt, dass Friede zwischen Menschen dort beginnt, wo der Mensch Frieden mit sich selbst schliesst.
Spirituelle Kommunikation ist deshalb keine besondere Gesprächstechnik, sondern Ausdruck einer inneren Haltung und eines fortwährenden Reifungsprozesses.
Mehr zum Thema «Der Weg vom Ego zur Seele» folgt in Teil 2.
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