Dienen oder Bedienen

In einem Gespräch mit einer Mutter über Kindererziehung wurde mir bewusst, wie wichtig ein Unterschied ist, der in unserer Gesellschaft oft übersehen wird: Dienen ist nicht dasselbe wie Bedienen.

– 2 Minuten Lesezeit –

 

Dienen bedeutet, die eigenen Fähigkeiten freiwillig und verantwortungsbewusst zum Wohl anderer einzusetzen, ohne die eigene Würde aufzugeben. Es fördert Selbstständigkeit, Mitgefühl und Gemeinschaftssinn.

Bedienen bedeutet dagegen oft, jemandem jeden Wunsch zu erfüllen, Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen und ihm Verantwortung abzunehmen. Was gut gemeint ist, kann die persönliche Entwicklung behindern.

Viele Eltern bedienen ihre Kinder aus Liebe, aus schlechtem Gewissen oder weil sie Konflikte vermeiden möchten. Sie erfüllen möglichst jeden Wunsch und schützen ihre Kinder vor jeder Enttäuschung. Dabei vergessen sie manchmal, ihnen beizubringen, selbst Verantwortung zu übernehmen, Rücksicht zu nehmen und einen Beitrag für andere zu leisten.

So wachsen manche Kinder mit der Erwartung auf, dass sich die Welt um ihre Bedürfnisse dreht. Treffen sie später auf eine Realität, die Grenzen setzt oder Eigenverantwortung verlangt, reagieren sie nicht selten mit Frustration, Wut oder Enttäuschung.

 
Aufgabe der Eltern

Die Aufgabe von Eltern besteht deshalb nicht nur darin, ihre Kinder zu lieben, sondern ihnen vorzuleben, dass wahres Glück auch darin liegen kann, anderen zu dienen. Kinder, die früh erfahren, dass Geben ebenso erfüllend sein kann wie Nehmen, entwickeln meist mehr Selbstvertrauen, mehr soziale Verantwortung und mehr innere Stärke.

 

In den Bahá’í-Schriften finden wir dazu folgende bedeutungsvolle Aussage:

«Dienen ist in der Tat der König aller guten Taten und die Zierde alles edlen Handelns.»

Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 157:1

 

Marie Calm (1832 – 1887) deutsche Schriftstellerin, Pädagogin und Frauenrechtlerin hat dies in einem bekannten Aphorismus zum Thema Glück zum Ausdruck gebracht:

«Willst du glücklich sein im Leben,

Trage bei zu andrer Glück;

Denn die Freude, die wir geben,

Kehrt ins eig’ne Herz zurück.»

 

Eine friedlichere Gesellschaft beginnt also nicht mit Menschen, die darauf warten, bedient zu werden, sondern mit Menschen, die gelernt haben, mit Freude zu dienen.

Das Gespräch mit dieser Mutter hat mich erneut daran erinnert, wie wichtig dieser Unterschied in der Erziehung ist.

KI-generiertes Bild von ChatGPT

One Response

  1. Immer wieder wichtig, sich den unterschied zwischen dienen und bedienen klar zu machen, Aber natürlich lasse ich mich auch gerne mal bedienen – wenn das bewusst geschieht und nicht als selbstverständlich vorausgesetzt wird.

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