Hoffnungsvolle und konstruktive Tendenzen

Hoffnungsvolle und konstruktive Tendenzen

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In einer Vielzahl von Schriften der jüngsten Weltreligion – der Bahá’í-Religion – finden wir ermutigende und richtungsweisende Darlegungen sowie praktische Anleitungen, wie «das Wohlergehen der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit» verwirklicht werden können.

Dazu braucht es allerdings den Mut, sich auf Neues einzulassen, gewohnte Vorstellungen und Meinungen zu hinterfragen und Vorurteile zu überwinden.

«Das Wohlergehen der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit, sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.»

– Bahá’u’lláh

In einer Botschaft vom November 2023 an die Bahá’í der Welt[1] schreibt das Universale Haus der Gerechtigkeit:

«Eine Fülle von zerstörerischen Kräften und Ereignissen, darunter Umweltzerstörung, Klimawandel, Pandemien, der Verfall von Religion und Moral, der Verlust von Sinn und Identität, die Aushöhlung der Konzepte von Wahrheit und Vernunft, ungezügelte Technologie, die Verschärfung von Vorurteilen und ideologischen Auseinandersetzungen, allgegenwärtige Korruption, politische und wirtschaftliche Umwälzungen, Krieg und Völkermord, haben ihre Spuren in Form von Blut und Leid auf den Seiten der Geschichte und im Leben von Milliarden von Menschen hinterlassen.

Gleichzeitig sind aber auch hoffnungsvolle und konstruktive Tendenzen zu erkennen… Die Verbreitung des Geistes der Weltsolidarität, ein größeres Bewusstsein der globalen Interdependenz, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen Einzelnen und Institutionen und eine verstärkte Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Frieden verändern die menschlichen Beziehungen tiefgreifend.

Und so bewegt sich die Welt in zahllosen zaghaften Schritten, in gelegentlichen dramatischen Sprüngen und mit Unterbrechungen, in denen der Fortschritt ins Stocken gerät oder sogar rückgängig gemacht wird, auf Bahá’u’lláhs Vision zu, während die Menschheit die Beziehungen schmiedet, die die Grundlage für eine geeinte und friedliche Welt bilden.»

 

Integrations- und Desintegrationsprozesse

«Im innersten Kern besteht die Herausforderung, die sich aus dem Zusammenspiel von Integrations- und Desintegrationsprozessen ergibt, darin, an Bahá’u’lláhs Beschreibung der Wirklichkeit und an Seinen Lehren festzuhalten und gleichzeitig der Sogwirkung kontroverser und polarisierender Debatten und verführerischer Rezepte zu widerstehen, die vergebliche Versuche widerspiegeln, die menschliche Identität und die soziale Realität durch begrenzte menschliche Vorstellungen, materialistische Philosophien und konkurrierende Leidenschaften zu definieren.»

„Der allwissende Arzt legt Seinen Finger an den Puls der Menschheit. Er erkennt die Krankheit und verschreibt in Seiner unfehlbaren Weisheit die Arznei. Wir nehmen sehr wohl wahr, wie das ganze Menschengeschlecht von großen, unberechenbaren Drangsalen umgeben ist. Jene, die von Eigendünkel trunken sind, haben sich zwischen die Menschen und den göttlichen, unfehlbaren Arzt gedrängt. Sieh, wie sie alle Menschen, sich selbst eingeschlossen, in das Netzwerk ihrer List verstrickt haben.“

– Bahá’u’lláh

 

Prozess der Integration – Erkenntnis der Einheit und Ganzheit der Menschheit

«Niemand kann genau vorhersehen, welchen Kurs die Kräfte des Zerfalls einschlagen werden, welche heftigen Geburtswehen die Menschheit in diesem geplagten Zeitalter noch heimsuchen werden, oder welche Hindernisse und Chancen sich auftun könnten, bis der Prozess seinen Höhepunkt im Kommen jenes Größten Friedens erreicht, der das Erscheinen jener Entwicklungsstufe ankündigen wird, wo die Nationen, aufgrund ihrer Erkenntnis der Einheit und Ganzheit der Menschheit, „die Waffen des Krieges […] ablegen und sich den Machtmitteln weltweiten Aufbaus zuwenden“[2].

Eines ist jedoch sicher: Der Prozess der Integration wird sich ebenfalls beschleunigen und die Bemühungen derjenigen, die lernen, die Lehren Bahá’u’lláhs in die Realität umzusetzen, und derjenigen in der Gesellschaft, die nach Gerechtigkeit und Frieden streben, immer enger miteinander verknüpfen.»

 

Grundlegende Neugestaltung der menschlichen Gesellschaft durch Freisetzung verborgener Potenziale

«Die Freisetzung der gesellschaftsbildenden Kraft, die dem Bahá’í-Glauben innewohnt, hat Auswirkungen auf die kommenden Jahrzehnte. Jedes Volk und jede Nation hat in der nächsten Phase der grundlegenden Neugestaltung der menschlichen Gesellschaft eine Rolle zu spielen. Alle haben einzigartige Einsichten und Erfahrungen für den Aufbau einer geeinten Welt zu bieten.

Die Verantwortung der Bahá’í hingegen ist es, als Überbringer der stärkenden Botschaft Bahá’u’lláhs, den Völkern zu helfen, ihre verborgenen Potenziale freizusetzen, um ihre höchsten Bestrebungen zu verwirklichen.

In diesem Bemühen teilen sie diese wertvolle Botschaft mit anderen, streben danach, die Wirksamkeit des göttlichen Heilmittels im Leben von Einzelnen und Gemeinden aufzuzeigen, und arbeiten mit all jenen zusammen, die dieselben Werte und Ziele schätzen und teilen.

Indem sie dies tun, wird Bahá’u’lláhs Vision einer geeinten Welt den Völkern, deren Wahrnehmung durch die in der Welt herrschende Verwirrung verzerrt ist, eine hoffnungsvolle und klare Richtung bieten und einen konstruktiven Weg der Zusammenarbeit bei der Suche nach Lösungen für seit langem bestehende gesellschaftliche Missstände aufzeigen.»

 

Gemeinsame Identität der Menschheit als ein Volk und uneigennütziger Dienst am Gemeinwohl

«In dem Maße, wie der Geist des Bahá’í-Glaubens zunehmend die Herzen durchdringt, um die Liebe zu entfachen und die gemeinsame Identität der Menschheit als ein Volk zu stärken, flößt er einen Sinn für loyale und gewissenhafte bürgerschaftliche Verantwortung ein und lenkt die Energien vom Streben nach weltlicher Macht auf den uneigennützigen Dienst am Gemeinwohl um.

Die Bevölkerung wendet zunehmend die Methoden der Beratung, des Handelns und der Reflexion an und ersetzt damit endlose Auseinandersetzungen und Konflikte. Einzelne, Gemeinden und Institutionen quer durch verschiedene Gesellschaften bringen ihre Bemühungen um ein gemeinsames Ziel zunehmend in Einklang, um sektiererische Rivalitäten zu überwinden; geistige und moralische Qualitäten, die für Fortschritt und Wohlergehen der Menschheit grundlegend sind, schlagen Wurzeln im menschlichen Charakter und im sozialen Umgang.»

 

Eines Tages wurde ‘Abdu’l-Bahá in London von einem Besucher gefragt:

„Wird diese unglückliche Welt jemals glücklich sein?»

‘Abdu’l-Bahá antwortete:

„Es ist fast 2000 Jahre her, dass der Herr, Jesus Christus, euch folgendes Gebet lehrte: ,Dein Reich komme, Dein Wille geschehe im Himmel wie auf Erden.‘ Meinst du, Er hätte euch aufgetragen für etwas zu beten, das nie eintreffen wird? Dieses Gebet ist auch eine Prophezeiung.“

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«Der Große Friede, auf den durch die Jahrhunderte Menschen guten Willens ihre Herzen gerichtet, den unzählige Generationen lang Seher und Dichter in ihren Visionen beschrieben und den die Heiligen Schriften der Menschheit von Zeitalter zu Zeitalter immer wieder verheißen haben, ist jetzt endlich in Reichweite der Nationen. Zum ersten Mal in der Geschichte ist jedermann imstande, in einer Gesamtschau den ganzen Planeten mit seiner Vielzahl verschiedener Völker zu überblicken. Weltfriede ist nicht nur möglich, sondern unausweichlich.»

Das Universale Haus der Gerechtigkeit (Die Verheissung des Weltfriedens, 1985)

 


[1] Universales Haus der Gerechtigkeit, Reflexionen über die ersten hundert Jahre des gestaltenden Zeitalters (des Bahá’í-Glaubens), Bahá’í-Verlag, 2023

[2] Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 55 [Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes, Auflage 3.01-online (2023-02-01), bibliothek.bahai.de, Bahá’í Verlag 2023]

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