Leben und handeln in einer Welt im Umbruch
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Wie kann Optimismus gelebt und in die Tat umgesetzt werden in einer Zeit des Umbruchs, weltweiter Krisen und Unsicherheit?
Kann eine hoffnungsstarke Vision von der Zukunft der Menschheit die Antwort sein…?
Es dürften wohl kaum Zweifel bestehen, dass ohne eine revolutionierende Neuorientierung, deren Ausmass alles was wir bisher erlebten, übertreffen muss, die Menschheit ausserstande sein wird, ihren langersehnten Frieden und ihre Sicherheit zu verwirklichen.
Diese Feststellung wird von der Tatsache gestützt, dass alle bisherigen Bemühungen einer Vielzahl herausragender Persönlichkeiten in allen Bereichen menschlichen Wirkens gescheitert sind, dieses hehre Ziel von Frieden und Sicherheit für die ganze Menschheit zu erreichen.
Im Gegenteil – noch nie war die weltweite Gesellschaft so von Zwietracht und Uneinigkeit gekennzeichnet, wie in der heutigen Zeit.
Die berechtigte Frage ist daher: woher soll denn diese revolutionierende Neuorientierung kommen?
Die Antwort mag für viele Menschen ungewohnt, überraschend, ja vielleicht sogar unglaubwürdig sein. Doch jeder Mensch ist mit der Fähigkeit ausgestattet, selbständig und ohne Vorurteile zu erforschen und letztendlich auch zu entscheiden, was er als Wahrheit betrachtet und annehmen will.
Die Herausforderung, der wir früher oder später begegnen werden:
Bahá’u’lláh (1817 – 1892), der Stifter der Bahá’í-Religion, hat Mitte des 18. Jahrhunderts verkündet, die Manifestation und das «Sprachrohr» Gottes für dieses Zeitalter zu sein, ein Zeitalter an dessen Anfang wir gerade stehen. Er begründet diesen Anspruch mit dem Konzept der «fortschreitenden Gottesoffenbarung», die ihre Legitimation in den aufeinander folgenden Weltreligionen der Vergangenheit hat.
Bahá’u’lláh hat der Menschheit mit Seiner machtvollen und umfassenden Offenbarung des Göttlichen Willens die ersehnte Botschaft dieser Neuorientierung gebracht, festgehalten und niedergeschrieben in einem umfangreichen, authentischen Schrifttum.
Eine Vision der Menschheit, wie sie herausfordernder kaum vorstellbar ist.
»Das Wohlergehen der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit, sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.«[1]
sind die prophetischen Worte Bahá’u’lláhs.
Vor mehr als 150 Jahren verkündete Er den Königen und Herrschern der Welt, den religiösen Führern und der gesamten Menschheit in klarer und unmiss-verständlicher Sprache, dass das seit langem verheissene Zeitalter des Weltfriedens und der Brüderschaft endlich erschienen und Er selbst der Träger der neuen Botschaft und Kraft Gottes sei, die das heute vorherrschende System voll Streit und Feindschaft unter den Menschen umwandeln und den Geist und die Form der vorherbestimmten Weltordnung schaffen werden.
Seine Botschaft ist eine Botschaft der Hoffnung, der Liebe und der praktischen Erneuerung.
Glanz und Pracht kennzeichneten im 18. Jahrhundert die gewaltige Macht, die die Herrscher, im allgemeinen in autokratischer Weise, über den grössten Teil der Erde ausübten.[2]
In einem Aufruf an die Könige und Herrscher[3] der Welt schrieb Bahá’u’lláh:
»O Könige der Erde! Er, der höchste Herr über alle, ist gekommen. Das Reich ist Gottes, des allmächtigen Beschützers, des Selbstbestehenden. Betet niemanden an ausser Gott und erhebt euer Angesicht mit strahlendem Herzen zu eurem Herrn, dem Herrn aller Namen. Dies ist eine Offenbarung, welcher nichts, was immer ihr besitzt, gleichgestellt werden kann – könntet ihr es doch erkennen!…[4]
Seid einig, o Könige der Erde, denn dadurch wird der Sturm des Haders gestillt und eure Völker finden Ruhe – wenn ihr doch unter denen wäret, die das verstehen!«[5]
Mit den Worten Shoghi Effendis:
»Die Stürme der Verzweiflung«, schreibt Bahá’u’lláh, während Er das unmittelbare Schicksal der Menschheit überblickt, »blasen, ach, von allen Seiten, und der Hader, der das Menschengeschlecht spaltet und quält, wächst täglich. . . . « »Ihr Zustand wird so sein«, hat Er in anderem Zusammenhang erklärt, »dass, ihn jetzt zu enthüllen, nicht passend und ziemlich wäre.« »Diese fruchtlosen Streitigkeiten«, hat Er andererseits bei Betrachtung der Zukunft der Menschheit im Verlaufe Seiner denkwürdigen Unterredung mit dem englischen Orientalisten Edward G. Browne mit Nachdruck geweissagt, »diese verderblichen Kriege werden vergehen, und der ‚grösste Friede‘ wird kommen . . . Diese Streitigkeiten, dieses Blutvergiessen und diese Zwietracht müssen aufhören und alle Menschen wie ein Volk und eine Familie sein.«
Wessen wir gegenwärtig Zeuge sind, während »dieser schwersten Krise in der Geschichte der Zivilisation«, die uns an Zeiten mahnt, da Religionen untergehen und geboren werden«, das ist … [der Übergang der Menschheit zu ihrer Reife.]
Die Zeitalter der Unmündigkeit und Kindheit der Menschheit sind vorbei und kehren nie mehr wieder, während das grosse Zeitalter, die Vollendung aller Zeitalter, welches das Kommen des Zeitalters des ganzen Menschengeschlechtes bedeutet, erst noch kommen muss.[6]
Das Universale Haus der Gerechtigkeit – oberstes, weltweites Führungsgremium des Bahá’í-Glaubens schrieb im November 2023 in seinen ‚Reflexionen über die ersten hundert Jahre des Gestaltenden Zeitalters des Bahá’í-Glaubens‘ an die Bahá’í der Welt unter der Überschrift ‚Das Niedergeschriebene in die Wirklichkeit und die Tat umsetzen‘:
Bahá’u’lláhs Ziel ist es, eine neue Stufe in der menschlichen Entwicklung einzuleiten – die organische und geistige Einheit der Völker und Nationen der Welt – und damit die Reife des Menschengeschlechts anzukündigen, die zu gegebener Zeit durch das Entstehen einer Weltzivilisation und Weltkultur gekennzeichnet sein wird. Zu diesem Zweck offenbarte Er Seine Lehren für die innere und äussere Wandlung menschlichen Lebens. »Jeder Vers, den diese Feder offenbart hat, ist ein strahlendes, leuchtendes Tor, das die Herrlichkeit eines heiligen, gottesfürchtigen Lebens und reiner und makelloser Taten erschliesst«[7], erklärte Er.
Und in zahllosen Tafeln hat Er, der Göttliche Arzt, die Krankheiten, unter denen die Menschheit leidet, diagnostiziert und Sein Heilmittel für »die Erhöhung, den Fortschritt, die Erziehung, den Schutz und die Wiederbelebung der Völker auf Erden«[8] dargelegt. Bahá’u’lláh erklärte: »Der Aufruf und die Botschaft, die Wir gaben, sollten niemals nur ein Land oder ein Volk erreichen oder nur diesem zugutekommen.«[9] »Es ist die Pflicht eines jeden Menschen mit Einsicht und Verständnis, danach zu streben, das hier Niedergeschriebene in die Wirklichkeit und die Tat umzusetzen. … Selig und glücklich ist, wer sich erhebt, dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen.«[10] [11]
Die Aufgabe, eine reife, friedliche, gerechte und geeinte Welt aufzubauen, ist ein gewaltiges Unterfangen, an dem jedes Volk und jede Nation in der Lage sein muss, sich zu beteiligen. Die Bahá’í-Gemeinde lädt alle ein, sich dieser Aufgabe als Protagonisten eines geistigen Unternehmens anzuschliessen, das die Kräfte des Zerfalls, die die alte Gesellschaftsordnung untergraben, überwinden und einem integrativen Prozess, der zur Entfaltung einer neuen Ordnung an ihrer Stelle führen wird, konkrete Gestalt verleihen kann… [und so] Seine Lehren zur Besserung der Welt in die Praxis umzusetzen.[12]
Diese Vision und Anleitung zur praktischen Umsetzung sind die Herausforderung vor der wir Menschen heute stehen. Sie kann uns den Mut und die Kraft geben, mit Optimismus unser Leben für dieses erhabene Ziel einzusetzen.
»Wir können unsere Herzen nicht von unserer Umwelt trennen, die uns umgibt, und behaupten, dass alles sich zum Bessern verändert, wenn erst einmal eins von diesen beiden neu gestaltet ist. Der Mensch ist organisch mit der Welt verbunden. Sein inneres Leben gestaltet die Umwelt und wird zutiefst von ihr beeinflusst. Eins wirkt auf das andere, und jede bleibende Veränderung im Leben des Menschen ist das Ergebnis dieser Wechselwirkungen.
Ausser den Lehren Bahá’u’lláhs schenkt keine Bewegung in der Welt diesen beiden Aspekten im menschlichen Leben die gebührende Aufmerksamkeit, noch besitzt sie die notwendigen Massregeln zu ihrer Verbesserung. Darin besteht ihr Wesensmerkmal. Wenn wir also das Wohl der Welt wünschen, müssen wir uns bemühen, diese Lehren zu verbreiten und sie in unserem Leben zu verwirklichen. Durch sie wird das menschliche Herz verwandelt, durch sie wird unsere gesellschaftliche Umwelt die Atmosphäre bieten, in der wir geistig wachsen und das volle Licht der Offenbarung Bahá’u’lláhs widerspiegeln können.«[13]
[1] Bahá’u’lláh | Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs | 131:2
[2] Bahá’u’lláh | Die Verkündigung Bahá’u’lláhs | aus der Einleitung
[3] Der Aufruf Bahá’u’lláhs war an die folgende Herrscher und religiösen Führer der Welt gerichtet:
Napoleon III. | Zar Alexander II. | Königin Viktoria | Kaiser Wilhelm I. | Kaiser Franz Joseph | Sultán `Abdu’l–`Azíz | Náziri’d-Dín Sháh | die Führer Amerikas | die gewählten Vertreter des Volkes in allen Ländern |Papst Pius IX. | die Geistlichkeit und die Anhänger der verschiedenen Religionen
[4] Bahá’u’lláh | Die Verkündigung Bahá’u’lláhs | 2.1.1:1
[5] ebenso 2.1.3:4
[6] Shoghi Effendi | An die Nationen | S. 57 | engl. Original Call to the Nations | 1977
[7] Bahá’u’lláh | Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs | 43:8
[8] Bahá’u’lláh | Botschaften aus ‘Akká | 8:62
[9] Bahá’u’lláh | Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs | 43:8
[10] Bahá’u’lláh | Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs | 117:1
[11] Universale Haus der Gerechtigkeit | Reflexionen über die ersten hundert Jahre des Gestaltenden Zeitalters | Abs. 9
[12] Universale Haus der Gerechtigkeit | Reflexionen über die ersten hundert Jahre des Gestaltenden Zeitalters | Abs. 10
[13] Aus einem Brief vom 17. 02. 1933 im Auftrag von Shoghi Effendi in Die Bewahrung der Erde und ihrer Ressourcen | Bahá’í-Verlag 2021

